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KIDS-Portal gewinnt bei ErWiN 3.Preis

Beim Wettbewerb "Erste Wege ins Netz" wurde unser Projekt von mehr als 150 Projekten aus der Medienarbeit mit Kindern, Alten, Frauen, Menschen mit einer Behinderung, sozial Schwache, die Landbevölkerung, Langzeitpatienten sowie Migranten prämiert. Denn das KIDS-Portal begleite "Strassenkids" auf ihren ersten Wegen ins Netz, und biete ihnen spezielle Funktionen zur Interaktion und Information. Besonders mit der neuartigen Verknüpfung von mehreren Internetdiensten und Mobilfunk (also SMS) und der traditionellen Sozialen Arbeit mit Jugendlichen seien wir einer der Vorreiter in Deutschland. Unser Projekt wende sich an eine im Internet extrem unterrepräsentierte Gruppe und hat dadurch besonderen Modellcharakter.

Die Urkunde ist schon auf dem Weg nach Hamburg und wird bald im KIDS aufgehängt. Dank gilt allen Beteiligten und Sponsoren des Projektes.

Pressemitteilung Preisverleihung

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Hamburger Abendblatt | Dienstag, 9. November 2004

Preis für Hamburger Online-Portal

"Manche Leute denken, daß es ganz einfach ist, einen Platz zum Schlafen zu haben und denken gar nicht, daß man sich dafür selbst auch ein bißchen anstrengen muß." So hat es ein Kind, das in Hamburg auf der Straße lebt, unter www.kids-hh.de geschrieben. Ende September hat der Hamburger Verein Basis e. V. mit diesem Online-Portal sein Hilfsangebot für Straßenkinder ausgebaut. Jetzt soll das Projekt belohnt werden: Am Mittwoch zeichnet Wirtschaftsstaatssekretär Rezzo Schlauch (Grüne) in Berlin die Macher des Portals aus. Sie sind Preisträger des Wettbewerbs "Erste Wege ins Netz", weil sie Menschen auf vorbildliche Weise an das Internet heranführen. In dem Hamburger Internet-Forum können sich Straßenkinder in Artikeln äußern, Kontakt zu ihren Betreuern halten und Medienkompetenz erwerben. Ein Teil der Beiträge ist öffentlich. Der Medienwissenschaftler Christoph Zeitz entwickelte das Portal als Diplomarbeit. Basis e. V. betreut jährlich etwa 300 Kinder und Jugendliche rund um den Hauptbahnhof und bietet Schutzräume für Straßenkinder und jugendliche Stricher an.

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FOCUS | Nr. 41, 4.10.2004 Regionalausgabe Hamburg

Hilfe per Hauspost von Birte Siedenburg

Erstmals betreuen Hamburger Sozialpädagogen gefährdete Jugentliche via Internet.
Focus Hilfe per Hauspost.jpg (Größe ca. 460 KB)

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HANSENET | bandbreite 3/2004

Zurück ins Leben

Rund 700 Kinder leben in Hamburg ohne ein Dach über dem Kopf. Der Verein Basis e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen mit unterschiedlichen Projekten zu helfen.
Hansenet bandbreite.jpg (Größe ca. 100 KB)

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Als Straßenkind durch Mölln

Tolle Leistung von 25 Möllner Realschülern: 745 Euro haben sie für Straßenkinder erarbeitet.
Als Straßenkind durch Mölln.jpg (Grüße ca. 200 KB)

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MOPO SOZIALES | 12.02.2003

»Wir holen die Kids von der Straße« SIMONE PAULS

Schauspielerin Witta Pohl ist Patin für Hamburger Straßenkinder

Es ist eine Zahl, die eine wohlhabende Stadt wie Hamburg beschämen muss. Mindestens 700 Mädchen und Jungen leben hier auf der Straße, schätzt die Organisation Basis e.V. Vor zwei Jahren rief sie die Spenden-Kampagne "Paten für Straßenkids" ins Leben. Das Ziel: 700 Hamburger zu mobilisieren, die für fünf Euro monatlich eine symbolische Patenschaft übernehmen.

"Die Zahl der Kinder, die auf der sozialen Kippe stehen, steigt", warnt "Basis"-Geschäftsführer Thomas Nebel. Rund 350 Kinder betreut der Verein jährlich, Durchschnittsalter 17 Jahre. 534 Paten gibt es jetzt, bislang kamen durch Spenden- und Patengelder 206000 Euro zusammen. In den Räumen am Hauptbahnhof (Hachmannplatz 2) bekommen die jungen Leute eine warme Mahlzeit, verschiedene Angebote bieten Unterstützung an. Bei "Aus-Zeit" gibt es Ansprechpartner und Erholung, "Lern-Lust" macht neugierig auf Schule, bei "Cash-Works" wird das Arbeitsleben trainiert. Mit den Fördergeldern konnten diese Angebote gesichert werden, zusätzlich wird das Schlafplatzangebot erweitert.

Das Konzept hat auch Witta Pohl überzeugt. Die Schauspielerin ist die 500. Patin. "Ich bin auch mal weggelaufen, als ich klein war. Und bestimmt hatte ich es besser als die Kinder vom Hauptbahnhof", meint Witta Pohl. Auch die Schirmherrin, Bürgerschaftspräsidentin Dorothee Stapelfeldt, ist begeistert: "So können sie sich ihre Zukunft selbst aufbauen." Infos unter www.strassenkids.de

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Kleiner Fortschritt

Sozialsenatorin nimmt Kürzungen für Frauenberatungsstelle zurück

Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU) hat noch einen Rückzieher gemacht. Nachdem sie die geplanten Kürzungen bei dem Drogenhilfe-Projekt Kids und beim Rauhen Haus revidiert hat, wurden auch die Streichungen für das Frauenprojekt Amnesty for Women jetzt zurückgenommen. "Die Senatorin hat sich überzeugt, dass es zu diesem sehr spezifischen Beratungsangebot keine echte Alternative in der Stadt gibt", sagte Behördensprecherin Annika Wichert. Schnieber-Jastram wollte Amnesty for Women an sich die Hälfte ihrer Förderung streichen - die hamburgweit einzige Beratungsstelle gegen Zwangsprostitution und Frauenhandel hätte damit vor dem Aus gestanden.

Das Projekt Kids des Vereins Basis e.V. wurde aufgefordert, ein neues Handlungskonzept "für die veränderte Szene" vorzulegen, kündigte Wichert an. Das Projekt kümmert sich seit Jahren um süchtige Jugendliche am Hauptbahnhof - nach der vom Senat betriebenen Verlagerung der Drogenszene vom Bahnhof weg hatte die Behörde zunächst geurteilt, es gebe keinen Bedarf mehr für das Projekt. Nun gibt es erst einmal wieder Geld, es handele sich dabei allerdings lediglich um einen Aufschub. Im kommenden Jahr werde erneut geprüft, ob Basis e.V. in diesem Rahmen noch förderungswürdig sei.

Weitere Abweichungen vom Kürzungskurs konnte sich Wichert jedoch derzeit nicht vorstellen: "Ich gehe davon aus, dass alles andere so bleibt wie beabsichtigt," sagt die Sprecherin der Sozialsenatorin. aha

taz Hamburg Nr. 6690 vom 2.3.2002, Seite 25, 22 Zeilen (TAZ-Bericht), aha

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Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU) streicht Hilfen für Straßenkinder zusammen Drogen - Kahlschlag geht weiter

Sie halten es zu Hause nicht aus, landen auf der Straße, dienen sich Sexkunden an, verdrängen ihr Elend mit Drogen und sind froh, dass sie im Krisenzentrum KIDS am Hauptbahnhof duschen können und warmes Essen bekommen. Der Trägerverein wird seine Hilfe einschränken müssen: Die Sozialbehörde will die Zuschüsse um 95 000 Euro kürzen.

Basis e.V. bietet noch mehr an: Suchtberatung, Freizeitangebote, Ferien außerhalb von Hamburg. "Unsere Arbeit ist hochgradig gefährdet", erklärte Sprecher Thomas Nebel. Schutz und Schonräume für Kinder bietet auch das Statt-Haus in Billbrook. Die Einrichtung der Stiftung "Rauhes Haus" muss künftig mit 30 000 Euro weniger auskommen.

Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU) begründete im Haushaltsausschuss der Bürgerschaft die Kürzungen, die jeweils 10 Prozent der Zuwendungen ausmachen, so: "Die Situation am Bahnhof und in St. Georg hat sich inzwischen verändert." Den Rotstift angesetzt hat sie auch im von der Diakonie betreuten "Café Sperrgebiet" für junge Prostituierte und bei "Iglu", einer Hilfseinrichtung des Vereins "Palette" für Kinder drogenabhängiger Eltern. Vor einem Vierteljahr war es mit einem Förderpreis des Deutsch-Amerikanischen Frauenclubs bedacht worden.

Geschäftsführer Rainer Schmidt: "Wir bekommen 15 000 Euro weniger. Wir haben ohnehin nur vier Beschäftigte auf drei Stellen, werden unsere Sozialarbeit einschränken müssen." Insgesamt will die Behörde für die Suchtprävention freier Träger 50 000 Euro einsparen. Begründung: Der Schwerpunkt soll auf "zielgerichtete Ausstiegshilfen gelegt werden."

Rainer Schmidt: "Damit wird unser Ansatz der "akzeptierenden Drogenarbeit" in Verruf gebracht. Nur wenn wir unsere Klienten so annehmen wie sie sind, schaffen wir Vertrauen, können sie unsere Hilfe annehmen." Die GAL-Abgeordnete Dorothee Freudenberg sagte: "Da besteht ein direkter Zusammenhang zu Innensenator Ronald Schill, der bekanntlich die offene Drogenszene zerschlagen will."

Vor der Wahl klang es bei der CDU noch anders. Ole von Beust, damals Bürgermeister-Kandidat, hatte das "KIDS" besucht und am 10. Juli in einer Presseerklärung zusammen mit den Fraktionskollegen Heino Vahldieck und Dietrich Wersich beklagt: "Für die minderjährigen Straßenkinder, von denen viele drogenabhängig sind, hat der Senat weiterhin keine Hilfe vorgesehen."

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AOL Live!

ricardo und Warner Music versteigern im August rund 40 High Tech-Gegenstände zu einem guten Zweck. Auch einige von Warner Music-Stars gespendete Überraschungen sind dabei, darunter z.B. ein von Verona Feldbusch selbst getragenes und signiertes Kleid. Der Erlös geht an BASIS e.V., ein Hambuger Projekt, das sich für Straßenkids einsetzt.

Nächste LIVE Auktion am 23.08.01

Eine erste AOL Live-Aktion hierzu startet am 09.08. um 21 Uhr. Und ab Montag, den 13.08. können Sie exklusiv ein sexy Kleid von Verona Feldbusch ersteigern! Der Erlös aus allen Auktionen geht an das Straßenkids-Projekt.

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"Die Freier sind kein Stück besser"
BINNENWELTEN - die taz-Serie über den unsichtbaren Alltag. Teil 2: Wohnzimmer zwischen Schalterhalle und Taxistand: Der Hauptbahnhof ist das Zuhause von mehreren hundert Straßenkindern Von Elke Spanner

Die Frage ist gut, sagt Gabriel (Name von der Redaktion geändert). Hat er sich so noch gar nicht gestellt. Irgendwann war er eben am Hauptbahnhof, wie man da so hinkommt, und dann ist er einfach geblieben. Fünf Jahre oder sechs. Weg von Zuhause, Hauptsache fort und frei sein, das war wichtig. Kein "Wann kommst Du nach Hause?" mehr. Kein Streit mehr, wenn er dann doch später oder gar nicht kam. Und das mit der Arbeit, das war ihm damals sowieso egal. In der Schiffsbauer-Werkstatt wollten sie ihm keinen Urlaub geben, also nahm er ihn sich selbst. Das war dann erstmal für lange Zeit sein letzter Job gewesen.

"Kofferkuli gegen Pfand", steht auf dem Gepäckwagen, den jemand direkt vor dem U-Bahn-Schacht hat stehen lassen. Statt ihn kurz aus dem Weg zu schieben, machen alle PassantInnen im Vorbeieilen einen Bogen darum. Auf der Rückseite des Bahnhofs, zwischen Kirchenallee und DB-Infozentrum, scheinen alle in Eile zu sein, auf dem Weg vom Gleis zum Taxi oder aus der U-Bahn zur Schalterhalle. Für die meisten Menschen ist der Hauptbahnhof ein Ort zum Durchreisen, nicht zum Verweilen. Hier werden allenfalls Wartezeiten überbrückt, aber keine Tage gestaltet. Für viele Männer und Frauen aber sind der Bahnhofsvorplatz, die Wandelhalle und die angrenzenden Straßen St. Georgs zum Zuhause geworden. Hier treffen sich "Stricher, Junkies, Freier, Alks", sagt Gabriel. Auch Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren, manche auf Droge, andere nicht.

Wie viele in Hamburg auf der Strasse leben, weiß niemand. Zu sehen sind sie auf einen flüchtigen Blick nicht. Die Hektik am Bahnhof täuscht, Anonymität bietet auch Schutz. Allein in die Einrichtungen von "Basis e.V.", der rund um den Hauptbahnhof Anlaufstellen für Straßenkids und männliche Prostituierte unterhält, kommen pro Jahr laut Geschäftsführer Thomas Nebel um die 700 junge Menschen.

18 oder 19 Jahre ist Gabriel, als er zum Bahnhof kommt. Plötzlich fühlt sich das Leben ganz anders an. Da bist du frei, und Geld, sagt er, kannst du auch verdienen. Da hast du Kumpels, mit denen hängst du drei Monate rum, und dann hast du wieder neue. Da sind Drogen, da sind Partys, und dann kommt jemand und fragt, ob du ihm beim Autoklauen hilfst. Und du denkst dir, der ist jünger als du, Scheiße, warum kann der das und du nicht? Also gehts los.

Einmal sind sie mit einem geklauten Opel nach Berlin gefahren, erzählt Gabriel. Er lacht über sich und seinen "Kollegen". Unablässig kreist der Schlüsselbund zwischen den Fingern seiner linken Hand. Auf halber Strecke qualmte es plötzlich aus der Motorhaube. Sie also raus aus dem Wagen, kennt sich jemand damit aus, nö, "aber klauen, das konnten wir gut", sagt Gabriel und amüsiert sich über die Bilder, die in der Erinnerung an ihm vorüberziehen. Also wieder rein in den Wagen, weiter damit, bis er ein zweites Mal stehen bleibt. Jemand kommt, will abschleppen helfen, fragt, ob die Jungs ein Seil im Kofferraum haben. Blöde Situation. Es gibt natürlich keinen Schlüssel für den Kofferraum. Mussten dann zu Fuß abhauen, ehe der die Bullen rief. Was sie in Berlin wollten? Keine Ahnung. Aber Spaß hat es gemacht. Der Kumpel hat ihn übrigens irgendwann beklaut. Da war es vorbei mit der Freundschaft.

Wer zum Bahnhof kommt, hat in der Regel schon eine harte Zeit hinter sich. Mit seiner Berufsausbildung stellt Gabriel eine Ausnahme dar, die meisten haben nicht einmal einen Schulabschluss. Die meisten der Mädchen und Jungen haben in ihrer Kindheit Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebt. Jedes fünfte auf der Straße lebende Kind hat mehr als fünf verschiedene Heime hinter sich. Am Bahnhof, sagt Basis-Geschäftsführer Nebel, suchen sie die Gemeinschaft zu Anderen und geraten darüber häufig in einen Kreislauf aus Drogen und Prostitution. Der Bahnhof, sagt Gabriel, "ist keine Adresse, aber ein Aufenthaltsort".

Der 24-Jährige lacht viel, gerne auch über sich selbst. Tiefe Grübchen graben sich dabei in sein Gesicht. Seine klaren braunen Augen strahlen, selbst wenn er sagt, dass er "echt total fertig war", auch von den Drogen, alles außer Heroin. Nicht nur, weil er jetzt da raus ist, feste Wohnung, Job bei Hinz & Kunzt. Irgendwie "war es am Anfang auch toll". Morgens trifft man sich am Bahnhof, draußen an der Bushaltestelle. Manche gehen dann los, was zu rauchen holen, oder Bier. Er ist dann oft erstmal auf die Mönckebergstrasse in ein Kaufhaus gegangen, Playstation spielen, oder in die schwule Sauna, da kann man noch mal zwei Stunden schlafen, Handtücher gibt es, und sauber sind sie auch. Dann wieder zum Bahnhof, mal gucken, wer da ist, und was so geht. Dann und wann ans Schließfach, neue Klamotten holen, am besten für ein paar Tage im voraus, dann ist die Miete billiger. Und spätestens alle zwei Tage duschen, das ist wichtig.

Wer am Bahnhof lebt, sagt Gabriel, hat viel zu tun. Zuviel in der Regel, um an so etwas wie Zukunft zu denken. Folglich hast du auch keine. "Die meisten bleiben da hängen." Alles muss organisiert sein, der Tag, das Geld, der Schlafplatz. Geschlafen wird, wo es gerade geht. Manchmal in einer Übernachtungsstelle von Basis e.V., manchmal tagsüber im Bus, Tageskarte kaufen und dann immer hin und her. Oder im Sex-Kino, das hat die ganze Nacht geöffnet. Oft hat Gabriel zum Schlafen die Alsterschwimmhalle gewählt. Dann war er nachts unterwegs, und tagsüber war er im Hallenbad. Seinen Freunden hat er dann erzählt, dass er gerade sooo eine große Wohnung hat, sagt er und breitet grinsend die Arme aus. Mit Solarium, Swim-mingpool und Fitnessraum.

Geld gibt es "durch verschiedene Sachen", Zockereien hier und da, viele gehen auf den Strich. Manche bleiben ein paar Tage bei Freiern und schlafen sich mal richtig aus, immer gegen Gegenleistung, versteht sich, auch wenn die Mädchen oder Jungen in der Zeit von einem "Freund" erzählen, bei dem sie gerade untergekommen sind. Gabriel wehrt ab. Am Bahnhof ist eigentlich jeder ein Freund, die Freier aber nicht, "das sind halt Freier". Wie oft haben sie ihm oder Kumpels was versprochen, ihr könnt bei mir arbeiten, ihr könnt bei mir wohnen. Er winkt genervt ab. Am Anfang hat er sich oft was davon erhofft, aber wenn du das ein paar Mal erlebt hast, "pah". "Sie halten uns für ein Stück Dreck", sagt Gabriel. "Aber in dem Moment, wo sie mit uns ins Hotel gehen, sind sie kein Stück besser." Er weiß sowieso nicht, was die sich dabei denken, ein Mädchen oder einen Jungen mit zu sich zu nehmen.

Manchmal hatte Gabriel auch eine Wohnung zwischendrin, und trotzdem ging er immer wieder zum Bahnhof zurück, "es war wie ein Zwang, da war irgendwas". Vor einem Jahr lernte er dann seine Freundin kennen, nicht auf der Szene, "das ist 'ne Brave". In einer Bar hat sie ihn angesprochen. Wusste gleich, was los ist, und hat ihn gefragt, ob er heute genug Geld verdient habe, um ihr einen auszugeben. Mann, hat es ihn da erwischt.

Mit ihr wohnt er jetzt zusammen, nahe dem Berliner Tor. Plötzlich passte alles nicht mehr zusammen, die Wohnung, die Freundin, der Hauptbahnhof. Von etwas musste er sich trennen, da hat er sich für seine Freundin und gegen den Bahnhof entschieden. Die Sozialarbeiter von Basis e.V. haben ihm gezeigt, wie man sonst noch Geld verdienen und wie man es außer für Drogen ausgeben kann. Jetzt verkauft er Hinz & Kunzt, seit sechs Wochen schon. Um sieben Uhr steht er auf, fährt nach Barmbek, stellt sich vor Aldi und verkauft. Am Anfang dachte er, ohne Drogen geht es nicht, allein das Wachhalten schon. Und jetzt steht er da und wundert sich manchmal über sich selbst. Zum Bahnhof geht er nicht mehr. Allerdings, sagt er, kommt der Bahnhof jetzt zu ihm.

Seit dort die Junkies verstärkt von der Polizei vertrieben werden, grinst Gabriel, "sind die jetzt bei uns am Berliner Tor". Erst neulich hat ihm einer sein Fahrrad geklaut, direkt vor der Tür, sagt er und grinst.

Basis e.V. betreibt am Bahnhof eine Anlaufstelle für Straßenkids und eine zweite in St. Georg für männliche Prostituierte. Dort können die jungen Leute essen, sich aufwärmen, einen Schlafplatz organisieren oder eine Ärztin konsultieren. Zudem organisiert der Verein für die Mädchen und Jungen Unterrichtsstunden sowie kleine Jobs. Mit der Plakat-Aktion "Paten für Straßenkids" sucht Basis e.V. Menschen, die die Arbeit mit einem finanziellen Beitrag von zehn Mark im Monat unterstützen wollen. Kontakt: Tel. 24 96 94 oder www.Straßenkids.de

taz Hamburg Nr. 6515 vom 6.8.2001, Seite 22, 108 TAZ-Bericht, Elke Spanner, taz-Serie über den unsichtbaren Alltag

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Hamburger Morgenpost vom 19.06.2001

Hamburg-Seiten | Kinder

Annelene Spieker hofft, durch einen Internetauftritt auch junge Menschen für ihr Anliegen begeistern zu können. Unter www.Straßenkids.de werben sie und ihre
Kollegen vom Basis-Projekt für symbolische Patenschaften. Denn neben den staatlichen Geldern für die Institution, die sich um Kinder kümmert, die auf den Straßen rund um den Hauptbahnhof leben, werden etwa 84.000 Mark im Jahr zusätzlich benötigt, um nötige Hilfe zu gewährleisten. Das "Patengeld" von monatlich zehn Mark geht an den Förderverein "Junge Menschen auf der Straße e. V." und kommt Hamburgs Straßenkids zugute. Darüber wacht ein Vergabeausschuss!

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Hamburger Abendblatt 10.05.2001

350 Paten für Hamburgs Straßenkinder.

Auf dem Weg zur Arbeit läuft Volker Andrzejewski jeden Tag durch St. Georg. Die Straßenkinder am Hauptbahnhof fielen ihm auf. Er entschloss sich, zu helfen - und übernahm eine symbolische Patenschaft für Straßenkinder beim Verein Basis e. V., der sich um die Jugendlichen kümmert. Insgesamt 700 Paten sind notwendig, um die Lern-, Arbeits- und Ausstiegsprojekte von Basis e. V. für die Jugendlichen langfristig abzusichern. Jetzt ist die Hälfte des Beitrags garantiert: Die Schirmherrin der Patenschaftsaktion, Bürgerschaftspräsidentin Dorothee Stapelfeldt, begrüßte Volker Andrzejewski gestern als 350. Paten im Rathaus. Gleich 50 neue Patenschaften konnte Basis e. V. gestern verbuchen: Eine IT-Firma sagte die Unterstützung für 40 Kinder zu. Auch der Lions Club ist vom Engagement von Basis e. V. überzeugt: "Wir übernehmen zehn Patenschaften", versicherte Christoph Ringleben, Präsident des LC Hamburg-Hafen.

Andrzejewski will jetzt weiter unter seinen Kollegen um Patenschaften werben: Vom 22. Mai bis 1. Juni steht die Ausstellung mit Bildern, die Straßenkinder fotografiert haben, in den Räumen der Volksfürsorge am Besenbinderhof 43 (geöffnet montags bis freitags, 8 bis 15 Uhr). Informationen über die Patenschaftsaktion gibt es bei Basis e. V.

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BILD, 29.3.2001

Paten gesucht für die Straßen-Kids

Die Kinder vom Hauptbahnhof suchen Paten. Für 700 Jugendliche, die von zu Hause weggelaufen sind, ist die Drogen- und Prostitutionsmeile von St. Georg zur zweiten Heimat geworden. Für sie sucht der Verein Basis Projekt e.V. Sponsoren, die monatlich zehn Mark für die Betreuung der Kids spenden. CDU-Fraktionschef Ole von Beust ließ sich gestern im KIDS, Hachmannplatz 2, über das Paten-Projekt informieren. Vereinsqeschüftsführer Thomas Nebel: "Die Jugendlichen können bei uns essen, duschen und neue Kleidung bekommen. Mit etwas mehr Geld könnten wir weitere Projekte ankurbeln." Um die Kids aus der Szene zu holen, möchte der Verein u. a. Ferienwohnungen anmieten. Nebel: "Dort können die Kids eine Auszeit vom Straßenalltag nehmen, über ihre Situation nachdenken."

Nähere Infos über das Projekt "Paten für Straßenkids" unter www.strassenkids.de

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TINA, Nr. 14, 29.3.2001

Endstation Straße?

Aus dem U-Bahn-Schacht am Hamburger Hauptbahnhof drängen Menschen. Es riecht nach Metall. Das Mädchen mit den langen, dunklen Haaren zieht die Schultern hoch, sucht Schutz hinter einer Säule. Rund um den Hamburger Hauptbahnhof leben etliche Kinder und Jugendliche ohne feste Unterkunft. Wie viele genau, weiß niemand. Die Straßenkinder halten sich im Hintergrund. Die meisten von ihnen sind zwischen 15 und 18 Jahre alt, manche erst zwölf.

Dani sitzt an der Einkaufsmeile Mönckebergstraße, an der Mö, wie die Hamburger sagen. Sie streichelt "Rex", eine Mischung aus Collie, Huskie und Schäferhund. Seit fast fünf Jahren lebt Dani auf der Straße, ist unterwegs mit der Segeltuchtasche und dem Schlafsack. "Es war ein 15. Dezember, da bin ich endgültig gegangen." Sie nennt diesen Tag ihren "Befreiungstag".

Sie wollte nicht mehr zu dem prügelnden Adoptivvater zurück

"Wann ich das erste Mal abgehauen bin?" Sie senkt den Kopf. Blickt nach links und rechts, prüft, ob jemand zuhört. "Als ich fünf war, hat mein Vater mich rausgeworfen." Sie hatte entdeckt, dass sie adoptiert war. Sie wollte, dass er sie zu ihrer leiblichen Mutter zurückbringt. Aber die hatte mit anderem zu kämpfen. "Ich hab später bei Nachbarn gewohnt", sagt Dani. Sie nickt. "Ja, die kleine Dani ist an allem schuld - das böse Kind!"
Als sie zehn war, ging sie zum Jugendamt. Allein. Wollte ins Heim, egal wohin, nur nicht mehr nach Hause zu ihrem Adoptivvater, der sie geprügelt hat. "Du willst mich doch nur fertigmachen!" wütete er vor Gericht. "Die geben mir die Schuld an allem." Dani schüttelt den Kopf. Das Gericht gab ihr Recht, sie durfte in ein Heim.

Als Kind zählt sie nicht mehr: Vor vier Wochen ist Dani 21 geworden. Seit einem Jahr lebt sie in Hamburg. Vorher in Stuttgart, Ravensburg, Heidelberg, Heilbronn. "Hamburg ist schön", sagt Dani. "Wenn man eine Wohnung hat." Dani schnorrt, um leben zu können. An schlechten Tagen, meist montags und mitwochs, kriegt sie nur 20 Mark zusammen, wenn sie mit "Rex" an der Mö zum Schnorren "Sitzung macht": "Immer noch besser als in Frankfurt", sagt sie. "Da war ich anschaffen, eine Zeit lang." Dani weiß, was Heroin anrichtet: "lch will Mensch bleiben Als die Bekannten, bei denen Dani wohnte, in den Knast kamen, zog sie mit einem Freund nach Norden.

Seitdem gehört sie zu den Kindern vom Hamburger Hauptbahnhof - zu mehr als 80 Prozent sind sie mehrmals von zu Hause weggelaufen. Jedes fünfte hat mehr als fünf Stationen in Heimen hinter sich. Etwa zwölf Prozent sind als vermisst gemeldet. Wie viele Heime waren es für Dani? "Vier, vielleicht fünf." Drei Pullover übereinander trägt sie unter der Bomberjacke. Die schwarze Stoffhose schlottert an ihren Beinen. Es dauert lange, bis sie die Tüte Pommes aufgegessen hat. Sie stöhnt: "Mann, bin ich jetzt voll!" Im Heim machte sie den Hauptschulabschluss, begann eine Lehre als Kinderpflegerin, eckte an, flog aus der Jugendwohnung. Drogen? "lch hab alles probiert. Jetzt nehm ich nur noch selten was. Ich hab gesehen, was Heroin anrichtet. Ich will Mensch bleiben."

In der Innenstadt fühlt Dani sich sicher. "Wenn ich hier penne, kommt nachts alle paar Stunden die Streife und passt auf mich auf." Tagsüber hat der Sicherheitsmann vom Kaufhaus nebenan ein Auge auf sie. Manchmal übemachtet sie in der Obdachlosenunterkunft "Pik As", in einem Doppelzimmer, mit ihrem besten Freund. Dass er Drogen nimmt und manchmal eklig zu ihr ist, verzeiht sie ihm: "Du kannst nicht anders, wenn dir dauerd jemand weh getan hat. Ich hoffe immer auf das Gute." Dani hat die Idee mit der Lehre noch nicht aufgegeben. "Kinderpflegerin, das wär mein Job. Ich weiß, was in den Heimen schief läuft. Wenn ich eine Wohnung bekomme, mach ich weiter."

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Morgenpost, 29.3.2001

Straßenkids suchen Paten

Zehn Mark im Monat helfen schon

Immer Streit zu Hause, vielleicht Gewalt - manche Mädchen und Jungen halten die Situation nicht aus und hauen ab. Aber das Leben auf der Straße ist hart, in den Räumen von "Straßenkids" am Hachmannplatz 2 (Hauptbahnhof), finden die Jugendlichen Rat und Hilfe bei den Sozialarbeitern. Sie können dort ihre Wäsche waschen, bekommen etwas zu essen. Pädagogikstudenten bieten Unterricht an. Manchmal fahren auch Gruppen in ein Ferienhaus, damit die Kids dort zur Ruhe kommen.

Thomas Nebel von Basisprojekt, dem Trägerverein von "Straßenkids": "Das kostet mehr Geld als wir von der Stadt bekommen". Deshalb werden Menschen gesucht, die für zehn Mark im Monat eine symbolische Patenschaft übernehmen. Der CDU-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl, Ole von Beust, hat sich bei den Kids umgesehen und versprochen, sich um Sachspenden - Computer und Lebensmittel - zu kümmern. Infos:xxxxxxxxxxx sm

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Nordelbische Kirchenzeitung, 25. 2. 2001

Straßenkids 700 Jugendlichen pro Jahr hilft Basis-Projekt e.V. am Hauptbahnhof. Mit Hilfe einer Fotoausstellung und einer Plakatkampagne werden jetzt Paten für diese Arbeit gesucht

Blick in eine andere Welt | von Friedrich Degenhardt

HAMBURG - Bericht aus dem Alltag eines Jugendlichen: "Einige Zeit habe ich auf der Straße gelebt. Manchmal haben wir nächtelang durchgemacht. Dann bin ich in der Bahn eingeschlafen, auf dem Weg zu meinen Eltern. Danach habe ich mich gefühlt wie ein Junkie. Immer musste Geld her. Dann hatte man was und musste schnell rauchen. Zehn Minuten voll geil, und dann wieder Geld, Geld, Geld. Das fällt einem manchmal bei einigen Hauptbahnhofsgängern auf. Die rennen oder gehen schneller."

Rund 700 junge Menschen in ähnlichen Problemlagen kommen jedes Jahr in die Einrichtungen von Basis-Projekt e.V. am Hauptbahnhof. Die Hälfte von ihnen ist minderjährig, Prostitution und Drogenkonsum gehören oft zu ihrem Alltag. Basis-Projekt bietet ihnen ein warmes Essen, eine Dusche, Wäschewechsel und -reinigung, Vermittlung von Übernachtungsmöglichkeiten und medizinische Sprechstunden.

Um diese Arbeit bekannter zu machen und Geld für die bestehenden Angebote und neue Initiativen aufzutreiben, wurde eine Kampagne gestartet: Im Sommer 2000 haben Hamburger "Straßenkids" mit Einwegkameras ihre persönliche Sicht ihrer Umgebung festgehalten. Der Fotokünstler Edgar Lissel hat sie dabei begleitet und in den Gesprächen Texte wie den oben zitierten Bericht gesammelt.

Eine Auswahl der Fotos war nach St. Johannis, Harvestehude, und der Apostelkirche, Eimsbüttel, jetzt für einige Tage in der Hauptkirche St. Petri zu sehen. Als großformatige Installationen zwischen den Säulen herabhängend. Darunter zum Beispiel ein Foto vom Strassenpflaster auf der Ostseite des Hauptbahnhofs. Dort, wo die meisten Menschen lieber gar nicht erst stehenbleiben, weil man die lauernden Blicke der Leute spürt, die ständig dort herumstehen. Auffällig an den Fotos ist ihre Menschenleere. Selbst wenn auf einem drei Jugendliche zu sehen sind, dann nur Teile von ihnen, Beine und Hände, keine Gesichter und Augen.

Pastor Nils Gerke erklärte in einer Andacht zur Eröffnung der Ausstellung, dass es ihm darum gehe, die Welt der Straßenkinder in die Kirche hereinzuholen. Es sei nicht einfach, sich in solche Menschen hineinzuversetzen, aber er ermunterte die Besucher, sich vor die Fotos zu stellen und zu fragen: "Wie würde ich diesen Ausschnitt als Jugendlicher auf der Straße sehen?"

Die Fotoausstellung soll noch in weiteren Kirchen gezeigt werden. Ziel der gesamten Kampagne, zu der auch Plakate gehören, die zur Zeit in ganz Hamburg hängen, ist es, "Paten für Straßenkids" zu gewinnen, die mit 10 Mark monatlich eine symbolischen Patenschaft übernehmen. Neben "Aus-Zeit", der Anlaufstelle für die Jugendlichen, soll so auch "Lern-Lust" finanziert werden. Zweimal wöchentlich gestalten da Studenten der Uni Hamburg Unterricht vor Ort, der sich an den Interessen der "Kids" orientiert. Und "Cash-Work", ein drittes Projekt, bietet den Mädchen und Jungs einfach Arbeiten wie Aufräumen und Wände streichen gegen Bargeld, um durch erste Erfolgserlebnisse Anreize für "richtige" Arbeit zu geben.

Informationen: Tel. 040/xxxxxxxxx oder: www.strassenkids.de

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BILD, Anfang Februar | von Hauke Brost

"Hier stehe ich, wenn ich auf den Strich gehe", lese ich auf einem anderen offiziellen Plakat, geschickt mit dem Symbol der Hamburger Stadtrundfahrts-Busse dekoriert. Sagt mal, Leute: Wollt ihr alle den Oscar für die geschmackloseste Kampagne, oder was?

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Photonews - Zeitung für Fotografie
Nr. 3, März 2001

Straßenkids fotografieren in Hamburg

Der gemeinnützige Verein BASIS-Projekt kümmert sich in Hamburg um benachteiligte Jugendliche ohne geregeltes Zuhause, geprägt von einem Leben 'auf der Straße' sowie häufig von Drogenkonsum und Prostitution. Um mehr Öffentlichkeit und Unterstützung zu erhalten, wurde die Initiative "Paten für Straßenkids" ins Leben gerufen. Es werden Menschen gesucht, die für 10 DM monatlich eine symbolische Patenschaft übernehmen. Um die Straßenkids aktiv an dem Projekt zu beteiligen, wurde im Sommer 2000 ein Fotoprojekt realisiert. Unter Anleitung des Fotografen Edgar Lissel haben die Jugendlichen ihr ganz eigenes Bild der Stadt fotografiert. Die besten Bilder wurden von einer Jury ausgewählt, einige dienen als Motive einer aktuellen Plakataktion. Außerdem sind die Fotografien in einer Ausstellungsreihe in Hamburger Kirchen zu sehen. Interviews, die Edgar Lissel mit den Autoren führte, bieten ergänzend vielfältige Informationen. Eine Broschüre zu dem Projekt kann für 15 DM bestellt werden bei: BASIS-Projekt e.V., Hamburg, Tel. xxxxxxxxxxxxx Informationen auch im Internet unter www.strassenkids.de.

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Mittendrin, Journal der Hauptkirche St. Petri
Nr. 2, Februar/März 2001

Tauchender Schwan und vertrockneter Kuchen

Hamburger Straßenkinder fotografierten ihre Stadt

"Manchmal möcht'ich auch abtauchen" - blassgrün ist dieser Hilferuf seit dem 23. Januar bis Mitte Februar in der Hamburger Innenstadt plakatiert. Er und das zugehörige Foto stammen von einem Hamburger Straßenkind. Wie andere junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren schlägt es sich auf den Hamburger Straßen durch. In den vergangenen Wochen haben rund zwanzig von ihnen mehrere Tage lang ihr Hamburg mit einer Einwegkamera abgelichtet und beschrieben. Drei Fotos wurden für die Plakataktion ausgewählt: Neben dem Schwan noch ein einsamer Sonnenblumenstrauß und ein vertrocknetes Stück Kuchen neben einem vollen Aschenbecher. Weitere Bilder zeigt eine Ausstellung in der Petri-Kirche ab dem 17. Februar. Und am 18. Februar steht dann auch der 10-Uhr-Gottesdienst unter dem Thema "Straßenkids".

Ziel dieser Aktion: Die Initiatoren wollen das Projekt "Paten für Straßenkids" bekannt machen und Menschen für eine Patenschaft für diese Jugendlichen gewinnen. Diese Patenschaft ist symbolisch, da die Gelder drei Betreuungsangeboten mit den Namen Aus-Zeit, Lern-Lust und Cash-Works zugute kommen. In der Aus-Zeit können die Kinder und Jugendlichen sich in einem kleinen Landhaus ausruhen, essen, spielen, reden. Dort werden sie von kompetenten Sozialarbeitern betreut. Lern-Lust ist der Name eines Lernprojektes, das von Studenten der Hamburger Universität gestaltet wird. Die Kids haben hier die Möglichkeit, alltägliche Dinge wie nähen, kochen, lesen und rechnen zu lernen und darüber vielleicht sogar wieder einen Zugang zur Regelschule zu finden. Cash-Works bietet den Mädchen und Jungen je nach Motivation stundenweise Jobs an, für die sie direkt, also cash bezahlt werden.

Weitere Informationen unter
www.strassenkids.de

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Fotokampagne "Paten für StraßenKids" wirbt um Spender

Von Britta Scholtys, dpa, 090530 Feb 01

Hamburg (dpa/Ino) - Auf den Straßen rund um den Hamburger Hauptbahnhof schlagen sich jährlich rund 700 Jugendliche durch. Die Hälfte dieser Straßenkinder ist minderjährig, Prostitution und Drogenkonsum gehören zu ihrem Alltag. Eine Anlaufstelle zur Übernachtung, Beratung oder einfach nur, um etwas Warmes zu essen, ist für sie seit mehr als zehn Jahren der gemeinnützige Verein "BASIS-Projekt" im Stadtteil St. Georg.

Finanziert wird der Verein vom Jugendamt und der Gesundheitsbehörde der Hansestadt. Doch das Geld ist knapp. Daher werben "BASIS" und die Straßenkinder jetzt mit der Plakatkampagne "Paten für StraßenKids" für symbolische Patenschaften. Mit Spenden von monatlich 10 Mark hoffen sie auf zusätzliche 84000 Mark im Jahr.

"Die Übernachtungsstelle von BASIS war für mich seit langem zum ersten Mal wieder ein Zuhause", erzählt der 24-jährige Rafael, der vor ein paar Jahren als Stricher und Drogenabhängiger zu dem Verein kam. Eines der Fotos, die er für die Kampagne "Paten für StraßenKids" geschossen hat, zeigt die Tür zur BASIS-Wohnung. Für ihn bedeute sie den Anfang zum Ausstieg, erklärt der heutige Ex-Stricher.

Mehrere Wochen lang sind Rafael und 30 andere Jugendliche mit einer Einwegkamera durch die Straßen gelaufen. Dokumentiert haben sie dabei Orte und Plätze, die ihren Alltag bestimmt haben, wo sie anschafften, mit Drogen dealten oder konsumierten. Diese Fotos, die unter Anleitung des freien Fotografen Edgar Lissel entstanden sind, sollen als Plakatkampagne nun zur symbolischen Patenschaft anregen.

Mit vier Fotos im Ausstellungskatalog zeigt zum Beispiel Rafael Stationen in seinem Stricher- und Drogenleben der letzten sechs Jahre. Für ihn ist es ein Rückblick, denn mit Hilfe des Hamburger Vereins hat er es geschafft, von Ecstasy, Kokain und LSD wegzukommen. Heute lebt er mit seinem Freund zusammen.

"Hier habe ich geträumt, hier war mein Moment der Ruhe", kommentiert Rafael sein Foto, das seinen Lieblingsplatz draußen an der Alster zeigt. "Und das Stück Kuchen erinnert mich einerseits an meine Kindheit, andererseits an die schönen Momente in meinem Stricherleben, als es manchmal sonntags bei BASIS auch Kuchen gab", sagt er zu der abgebildeten roten Erdbeertorte.

Erst als er zum dritten Mal bei der BASIS-Übernachtungsstelle anklopfte, fasste Rafael den Mut, mit Drogen und Anschaffen aufzuhören. Geholfen haben ihm dabei vor allem die BASIS-Mitarbeiter, zu denen er nach und nach Vertrauen gefasst habe.

Gerade die allmähliche Wiederentdeckung und Stärkung des Selbstvertrauens und -bewusstseins der Straßenkids sei notwendig, damit sie selbst dem Straßenalltag den Rücken kehren und neue Lebensperspektiven entdecken könnten, meint "BASIS"-Pädagogin Annelene Spieker. Dies gehöre zum Ansatz all ihrer Projektbereiche.

So zum Beispiel bei "Lern-Lust", wo in einem Kooperationsprojekt mit der Hamburger Universität das Interesse der Kids am Lernen neu geweckt und Ängste abgebaut werden sollen. Große Hoffnungen setzt die BASIS-Mitarbeiterin beim Fundraising auf die Kampagne "Paten für Straßenkids", die von der Hamburger Bürgerschaftspräsidentin Dorothee Stapelfeldt (SPD) als Schirmherrin unterstützt wird und in der Bundesrepublik bislang einmalig ist.

In nur zwei Wochen seit Kampagnenstart haben bereits 170 Interessierte eine symbolische Patenschaft übernommen. "Ein erster Erfolg", freut sich Annelene Spieker, der den Hamburger Straßenkids rund um den Hauptbahnhof zugute kommen wird. (URL: http//www.Straßenkids.de) dp/Ino ho yyno ks

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Hamburg Pur, Februar 2001:

Torte statt Tüte

Fotos von Straßenkids

Im Oscargekrönten Meisterwerk "American Beauty" entdeckte Hollywood die tänzerische Anmut einer vom Winde verwehten Plastiktüte. Auch die Straßenkinder von St. Georg haben ihre Stadt in ganz persönlichen Bildern festgehalten - immer auf der Suche nach dem Besonderen, sei es ein Tortenstück oder ein Mülleimer. Mit Einwegkameras ausgerüstet und unter Anleitung des Fotografen Edgar Lissel zogen die Jugendlichen durch die City und wählten mit Sinn fürs Detail ihre Motive. Die von den Kindern kommentierten Ergebnisse werden nun im Rahmen der Aktion "Paten für Straßenkids" ausgestellt. Die Aktion wurde von Basis e. V. initiiert, einem Projekt, das sich um jugendliche Drogenabhängige und Prostituierte am Hauptbahnhof kümmert und versucht den Kids Alternativen und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Gesucht werden Menschen, die eine symbolische Patenschaft übernehmen und mit einer monatlichen Mindestspende von 10,- DM helfen wollen die Fortsetzung der Basis-Arbeit zu gewährleisten.

Infos zur Patenschaftsaktion: Basis e. V.; Tel. xxxxxxx;
www.basis-projekt.de

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Hinz & Kunzt, Februar 2001

Paten für Straßenkids gesucht

Basis e.V. sucht symbolische Paten für jugendliche Drogenabhängige und Prostituierte. Mit den Einnahmen soll die Finanzierung dreier Projekte gesichert werden: ein Haus als Rückzugsort in der Südheide, eine Jobvermittlung sowie ein Projekt, in dem Jugendliche wieder ans Lernen herangeführt werden. Die Übernahme einer Patenschaft kostet zehn Mark im Monat und ist jederzeit kündbar. Weitere Informationen erteilt Annelene Spieker unter Tel. xxxxxx. Internet: www.strassenkids.de

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Eimsbüttler Wochenblatt, 1. Februar 2001

Kirche aktuell

Straßenkids-Paten

In Hamburg gibt es viele Kinder, die auf der Straße leben. Die sogenannten "Straßenkids" brauchen Hilfe. Seit zehn Jahren arbeitet Basis e.V. am Hauptbahnhof, um jungen Leuten Angebote zu machen. Damit der Verein weiter existieren kann, bedarf es Geld. Eine Aktion "Paten für die Straßenkids" sucht jetzt Unterstützung - schon ab 10 Mark monatlich ist man dabei. Mit Konzerten, Plakaten und Ausstellungen wird auf die Lage der "Straßenkids" hingewiesen. So auch in Eimsbüttel: in der Apostelkirche sind Fotografien vom 2. bis 7. Februar zu besichtigen. Diese Fotos haben die "Straßenkids" selbst produziert - der Hamburger Fotograf Edgar Lissel war mit ihnen unterwegs. Auch der Gottesdienst von Pastorin Rosenthal-Beyerlein am Sonntag 11 Uhr bezieht sich auf die Straßenkinder. Spendenkonto Förderverein "Junge Menschen auf der Straße", Haspa Kt. Nr. 1230/133280, BLZ 20050550.
(pre)

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Tageszeitung, taz hamburg | 27./28. Januar 2001:

Paten gesucht

Basis-Projekt in St. Georg hofft auf breite Unterstützung

Der Verein Basis e.V. möchte sein Betreungsangebot für Jugendliche aus der Drogen- und Stricherszene um den Hauptbahnhof erweitern. In den drei Anlaufstellen kümmern sich bislang 25 Mitarbeiterlnnen des Vereins um die meist obdachlosen Jungen und Mädchen. Pro Jahr nehmen etwa 700 junge Menschen das Angebot des Basis-Projektes wahr. Sie können sich in den Anlaufstellen ausruhen, ein warmes Essen bekommen und einen Schlafplatz organisieren oder mit MitarbeiterInnen oder anderen Jugendlichen reden.

Das Projekt Basis e.V. sucht mit einer jetzt anlaufenden Plakataktion Hamburgerlnnen, die für mindestens zehn Mark monatlich eine symbolische Patenschaft übernehmen. "Die Grund- und Notversorgung reicht nicht aus", sagte Basis-Geschäftsführer Thomas Nebel gestern bei der Vorstellung der Kampagne, Um den benachteiligten Jugendlichen zu helfen, seien weitere Projekte nötig mit denen diese wieder an die Schule und Arbeit herangeführt werden. Konzepte für solche Projekte "liegen fertig in der Schublade und sind beim Basis-Projekt bereits erprobt", so Nebel. Sie sind aber aus Finanzmangel derzeit nicht dauerhaft umsetzbar.

Das Geld aus den Patenschaften soll direkt in verschiedene Projekte fließen, erklärte Basis-Mitarbeiterin Annelene Spieker. Zum Beispiel in ein Lern-Projekt, in dem die Jugendlichen nach ihren Interessen mit Studenten der Uni vor Ort Unterricht gestalten. Oder in "Cash-Works", wo die Jugendlichen - etwa bei Renovierungsarbeiten - stundenweise eigenes Geld verdienen können. bebu

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Mopo, 25.1.2001, plan 7:
DIE KINDER VOM HAUPTBAHNHOF

Hinsehen und helfen: Eine Fotoausstellung, die in drei Hamburger Kirchen zu sehen sein wird, gibt Einblicke in die Welt der Straßenkinder. Marcus Stäbler hat die Organisatoren besucht und berichtet Über die Kampagne "Paten für Straßenkids".

Regine wird bereits mit acht Jahren zum ersten Mal vom Freund iher Mutter vergewaltigt. Im Alter von zehn Jahren kommt sie ins Erziehungsheim. Nach einem Suizidversuch folgt der vier Monate dauernde Psychiatrieaufenthalt. Seit sie dreizehn ist, konsumiert sie regelmäßig harte Drogen und geht dafür anschaffen. Regines Biografie ist ein besonders krasses Beipiel für die Lebenskurve zahlreicher junger Menschen, die sich n der Nähe des Hauptbahnhofs "auf der Straße" durchschlagen und deswegen "Straßenkids" genannt werden.

Um die besonderen Bedürfnise dieser 12- bis 18-jährigen Mädchen und Jungen kümmern sich seit über zehn Jahren die Mitarbeiter von "Basis e. V.". Sie bieten etwa mit der Einrichtung KIDS und der Kontakt- und Übernachungsstelle für männliche Prostituierte direkt am Bahnhof eine Anlaufstelle, in der die Jugendlichen Zuhörer für ihre Probleme finden, etwas Warmes essen oder auch einfach nur miteinander Billard spielen können.

Obwohl jedoch die Stadt Hamburg 22 feste Stellen für diese Angebote finanziert, sind einige wichtige Projekte des Vereins ständig in akuter Geldnot. Um deren Fortbestehen zu sichern, haben die Mitarbeiter nun eine Kampagne mit dem Titel "Paten für Straßenkids" ins Leben gerufen. Das Ziel ist, den fehlenden Gesamtbetrag von etwa 84.000 DM durch symbolische "Patenschaften" zusammenzubekommen. Eine solche übernimmt, wer bereit ist, für die Aktion 120 DM im Jahr zu spenden.

Die Sprecherin des Fördervereins, Annelene Spieker, erläutert, für welche drei Angebote das Geld vorwiegend verwendet werden soll: "Das sogenannte Aus-Zeitprojekt bietet den Kids die Möglichkeit, zum Beispiel mal für zwei Tage ganz kurzfristig mit uns in ein Ferienhaus zu fahren, um dem Straßenalltag zu entfliehen. Sie bekommen auf diese Weise eine ganz andere Perspektive auf ihr Leben. Dabei ist es aber wichtig, dass wir schnell und unbürokratisch auf ihre Bedürfnisse eingehen können. Deswegen benötigen wir das Geld für so einfache Dinge wie frische Wäsche, Lebensmittel und Freizeitangebote. Bei dem Projekt ,Lern-Lust' arbeiten wir mit der Hamburger Uni zusammen. Hier geht es darum, den Kids auf völlig unterschiedlichem Niveau entgegenzukommen und ihnen zum Beispiel bei praktischen Arbeiten, beim Rechnen oder auch beim Sprache lernen zu helfen. In einem Fall waren wir dabei sogar so erfolgreich, dass ein Mädchen wieder den Anschluss an den Unterricht bekommen hat und ihren Hauptschulabschluss machen konnte. Hier bräuchten wir das Geld, um die Mietkosten längerfristig bezahlen zu können. Sonst können wir immer nur von Halbjahr zu Halbjahr planen. Als ‚CashWorks' bezeichnen wir unser Angebot an die Kids, für bares Geld kurzfristig Tätigkeiten wie Renovierungen oder einfache Elektro-Installationen zu übernehmen. Dann fragen wir am Tag vorher, wer Lust hat, und sie arbeiten dann unter Anleitung, so lange sie es schaffen. Es macht eine Riesenfreude, zu sehen, wie stolz die Jugendlichen darauf sind, etwas eigenes verdient zu haben. Aber natürlich kostet auch dieses Projekt eine Menge Geld."

Um möglichst viele Hamburger und Hamburgerinnen anzusprechen und zu einer Spende zu motivieren, organisiert der Verein eine eigene Fotoausstellung, die ab 25. Januar in der Harvestehuder St. Johannis-Kirche (und anschließend in zwei weiteren Kirchen) zu sehen sein wird. Das Besondere an den Bildern ist, dass die Straßenkids selbst an der Entstehung mitgewirkt haben. Unter Anleitung des Fotokünstlers Edgar Lissel haben sie im Sommer 2000 die Motive ausgesucht und mit persönlichen Kommentaren versehen. Die Exponate sind 1,20 mal 1,80 Meter groß und werden zwischen den Kirchenbänken von der Decke hängen, so dass sie den normalen Blick auf den Altarraum absichtlich stören. Ein Teil der Bilder wird dann zeitgleich auch in Plakatform an über 1000 Stellen in Hamburg zu sehen sein.

Zur Realisierung dieses Konzepts berichtet Annelene Spieker: "Wir hatten die Idee, saßen zusammen und haben überlegt, wie wir das machen können. Dann kannte der eine jemanden in der Werbeagentur, der wiederum den Fotografen, der Übernächste den Pastor und so weiter. Das funktionierte wie ein Schneeballsystem."

Ein Ausläufer dieses "Schneeballsystems" war auch der Kontakt zu dem Musiker Christian von Richthofen, der am 26. Januar um 20 Uhr in der St. Johannis-Kirche zur Eröffnung der Ausstellung mit seiner Band "Hot Schrott" auftreten wird. Die Gruppe wurde 1999 in dem Hamburger Stadtteil Osdorf gegründet, um Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigungsalternative anzubieten. Mit Erfolg, wie von Richthofen beobachtet hat: "Die Konzentrationsfähigkeit und die sozialen Fähigkeiten der Kinder sind unverkennbar mit der musikalischen Beschäftigung gewachsen." Das Besondere dabei ist: Sie spielen ausschließlich auf "Instrumenten" wie alten Autotüren, Kotflügeln und Blechkanistern. Gemeinsam mit "Hot Schrott", die gerade erst den Band-Wettbewerb bei der Altonale gewonnen haben, musiziert der bekannte Hamburger Organist, Komponist und Dirigent Claus Bantzer. Titel der Veranstaltung: "Orgelbraus vs. Schrottgelärm".

Paten für Straßenkids Ausstellung in der Kirche St. Johannis-Harvestehude im Turmweg (25. bis 28. Januar). Benefizkonzert von "Hot Schrott" feat. Claus Bantzer (Orgel) am 27. Januar um 20 Uhr. Anschließend ist die Ausstellung vom 2. bis 7. Februar in der Apostelkirche Eimsbüttel und vom 13. bis 22. Februar in der Hauptkirche St. Petri zu sehen. Weitere Informationen über die Aktion bei BASIS e. V., Tel. xxxxxxxxxxxx, und unter www.strassenkids.de

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MOPO, 30.1.2001, Leserbrief, S. 32 Betr.: plan7-

Reportage: Die Kinder vom Hauptbahnhof Gratuliere zu der tollen Reportage. ja, auch in unserer Stadt sind einige junge Menschen auf die Solidarität der Gesellschaft angewiesen. Die Kampagne "Paten für Straßenkids" zeigt einen guten Weg auf, hier vor Ort den "sozial behinderten" jungen Menschen Unterstützung zu gewähren. Ihr Bericht ist interessant und aufschlussreich. C v. Laussaulx, Leiter der Stricheranlaufstelle des BASIS e. V.
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Mit großem Interesse habe ich Ihre Reportage gelesen. Die geschilderte Art der Betreuung halte ich für sehr sinnvoll. Es ist bedauerlich, dass solche Initiativen finanziell so schlecht unterstützt werden. Staatliche Zuschüsse dafür sind bestimmt sinnvoller als (spätere) Ausgaben für Sozialhilfe oder Polizeimaßnahmen. Außerdem müsste der Drogenhandel endlich wirksam bekämpft werden, z.B. durch staatliche Verteilung und genügend Therapieplätze. Jürgen Fürhoff per e-Mail.

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Hamburger Abendblatt, 26.1.2001, S.14.

DANI - EIN JUNGES LEBEN AUF DER STRASSE
Von HEIKE MÜLLER

Rund um den Hamburger Hauptbahnhof leben etliche Kinder und Jugendliche ohne feste Unterkunft. Wie viele genau, weiß niemand. Eine der Obdachlosen ist Dani. Sie bettelt in der City. Aus dem U-Bahn-Schacht am Hauptbahnhof quellen Menschen, es riecht nach Metall. Das Mädchen mit den blondierten Haaren tritt von einem Fuß auf den anderen, zieht die Schultern hoch, sucht Schutz hinter einer Säule.

Auf den ersten Blick fallen die Straßenkinder nicht auf, sie halten sich im Hintergrund. Die meisten von ihnen sind zwischen 15 und 18 Jahre alt, manche erst zwölf. Dani sitzt an der Mönckebergstraße, zusammen mit Rex, einer Mischung aus Collie, Huskie und Schäferhund. Seit fünf Jahren wohnt Dani draußen, ist unterwegs mit der Segeltuchtasche und dem Schlafsack. "Es war ein 15. Dezember, da bin ich endgültig gegangen", sagt Dani. "Das war - mein Befreiungstag." Sie verzieht das Gesicht und lacht. Als Kind zählt sie heute schon nicht mehr: Vor vier Wochen ist Dani 21 geworden. Seit einem Jahr lebt sie in Hamburg, vorher in Stuttgart, Ravensburg, Heidelberg, Heilbronn. "Hamburg ist eine schöne Stadt", sagt Dani, "wenn man eine Wohnung hat."

An schlechten Tagen, meist montags und mittwochs, kriegt sie nur 20 Mark zusammen, wenn sie mit Rex an der Mö "Sitzung macht". "Aber immer noch besser als in Frankfurt", sagt Dani. Sie streicht die braunen Haare aus dem Gesicht. "Da war ich anschaffen eine Zeit lang." Als die Bekannten, bei denen Dani wohnte, in den Knast gingen, zog sie mit einem Freund nach Norden. "Wann ich das erste Mal abgehauen bin? Das willst du wirklich wissen?" Sie senkt den Kopf. Blickt nach links und rechts, ob jemand zuhört. Dann erzählt sie: "Als ich fünf war, hat mein Vater mich rausgeworfen." Sie hatte entdeckt, dass sie adoptiert war, und wollte, dass er sie zurückbringt. Aber ihre Mutter hatte mit anderem zu kämpfen. "Ich hab später dann bei Nachbarn gewohnt", sagt Dani. Sie nickt. "Ja, die kleine Dani ist an allem schuld, böses Kind!" Als sie zehn war, ging sie zum Jugendamt, allein. Wollte ins Heim, egal, wohin, nur nicht mehr nach Hause zu ihrem Adoptivvater, der sie geprügelt und misshandelt hat. "Du willst mich doch nur fertig machen", sagte er vor Gericht. "Die geben mir die Schuld an allem", sagt Dani und schüttelt den Kopf.

Von den Kindern rund um den Hauptbahnhof sind mehr als 80 Prozent mehrmals von zu Hause weggelaufen, jedes Fünfte hat mehr als fünf Stationen in Heimen hinter sich. Etwa zwölf Prozent der Minderjährigen sind bei der Polizei als verrmisst gemeldet. Dani sagt: "Ich kenne meine Eltern nicht." Wie viele Heime es waren? Vier, vielleicht fünf. Drei Pullover trägt sie unter der Bomberjacke. Die schwarze Stoffhose schlottert an ihren Beinen. Es dauert lange, bis sie die Tüte Pommes aufgegessen hat. Sie stöhnt: "Mann, bin ich jetzt voll!"

Im Heim hat sie ihren Hauptschulabschluss gemacht, begann eine Ausbildung als Kinderpflegerin, eckte an, flog schließlich aus der Jugendwohnung wieder raus. Drogen? "Ich hab alles ausprobiert, was der Markt so hergibt. Jetzt nehm ich nur noch selten was. Bei anderen hab ich genug gesehen, was Heroin anrichtet. Ich will Mensch bleiben." In der Innenstadt fühlt Dani sich sicher. "Wenn ich hier Platte mache, kommt nachts alle paar Stunden die Streife und passt auf mich auf." Tagsüber hat der Sicherheitsmann vom Kaufhaus nebenan ein Auge auf sie. Im Moment schläft sie oft im "Pik As", in einem Doppelzimmer, mit ihrem besten Freund. Dass er auf Drogen ist und manchmal eklig zu ihr, sieht Dani ihm nach: "Du kannst nicht anders, wenn dir von klein auf immer wer wehgetan hat. Ich hoffe immer auf das Gute." Die Ausbildung hat Dani noch nicht aufgegeben. "Kinderpflegerin, das wär mein Job. Ich weiß schließlich, was in den Heimen so schief läuft. Wenn ich eine Wohnung bekomme, wo auch Rex Platz hat, mache ich weiter."

Zwei Minuten vom Hauptbahnhof liegt der Treffpunkt für Strichjungen. Ein Junge mit braunen Augen steht in der Tür. Er löffelt Vanilleeis aus einem Schälchen. Im Eingangsraum sitzen zwei weitere Jungen am Tisch. Sie sind dunkelhaarig, zwischen 17 und 19 Jahre alt und trinken Kaffee. Als Besuch kommt, heben sie die Augenbrauen. So als wollten sie sagen: "Wir leben in einer Welt, die du überhaupt nicht kennst." In der Küche backt der Apfelkuchen im Ofen. Jeden Freitag gibt es im Strichertreff Kaffee und Kuchen. Im Moment ist noch nicht viel los. Der Aufenthaltsraum ist leer. Niemand liegt in dem Bett, nur durch einen bunten Glasperlenvorhang vom Rest des Zimmers abgetrennt. Einen Meter davor steht ein Tischfußballspiel. "Aber wer hier schläft, wacht auch nicht auf, wenn jemand kickert", sagt der Betreuer. Nicht alle der Jugendlichen leben ständig auf der Straße. Rund ein Drittel kommt meist bei Bekannten oder Freiern unter. Einige wohnen offiziell in Hilfseinrichtungen, sind noch bei Eltern oder Stiefeltern gemeldet.

Mehr als ein Drittel der Kinder schätzt sich selbst als suchtkrank ein. "Abgesehen von ihrer Vorgeschichte sind Straßenkids ganz normale Jugendliche", sagt Sozialarbeiterin Annelene Spieker vom Anlaufprojekt Basis e.V. Es sind Jugendliche, die gern vor der Playstation abhängen und im Internet surfen. Die Liebeskummer haben. Und die lieber für ihre Fähigkeiten anerkannt werden wollen, als für ihre üble Geschichte im Mittelpunkt zu stehen. Heute startet Basis e.V deswegen die Aktion "Paten für Straßenkids": Mehr als 1000 Plakate in ganz Hamburg zeigen Fotos, die Straßenkinder mit einer Einwegkamera geschossen und kommentiert haben.

Mit der Aktion will Basis e.V. Hamburger als Paten gewinnen, um die Ausbildungs-, Freizeit- und Arbeitsprojekte für Straßenkinder auszubauen. Kontakt: Tel. xxxxxxxxx

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Mopo, 27.1.2001 ,Hot Schrott': Musik, dass die Wände wackeln.

Die Musiker von "Hot Schrott" müssen keine Angst haben, dass ihre Instrumente mal geklaut werden: Sie spielen auf alten Einkaufswagen, Kotflügeln, Benzinkanistern und ähnlichem "Ramsch". Gegründet wurde die Gruppe von dem Hamburger Musiker Christian von Richthofen, der damit eine sinnvolle Beschäftigungsalternative für Jugendliche in Osdorf anbieten wollte.

Schon nach einem Jahr feierte "Hot Schrott" seinen ersten Erfolg: Bei der Altonale 2000 gewann das Projekt den ersten Preis des Band-Wettbewerbs. Die Musiker sind heute Abend um 20 Uhr in der St.-Johannis-Kirche zu erleben, wo sie beim Benefizkonzert zu Gunsten der Aktion "Paten für Straßenkids" auftreten. Im Anschluss spielt Christian von Richthofen mit Claus Bantzer, der für seine ungewöhnlichen Orgelimprovisationen bekannt ist. Die Kirchenwände werden wohl wackeln, auch wenn Richthofen versprochen hat - "Wir haben extra geübt, leise zu spielen." Marcus Stäbler
Heute, 20 Uhr, St. Johannis-Kirche Harvestehude, Turmweg, Eintritt frei.

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Hamburger Abendblatt, 27./28.1.2001: Aktion für Straßenkinder.

Das Plakat zeigt einen Schwan mit dem Kopf unter Wasser. "Manchmal möchte ich auch abtauchen", so die Bildunterschrift. An 1100 Stellen in der Stadt sind dieses und ähnliche Poster jetzt zu sehen. Fotografiert von Straßenkindern fordern sie die Hamburger auf, eine Patenschaft zu übernehmen. "Neue Wege gehen - Paten für Straßenkids" heißt die Kampagne des Anlaufprojekts Basis e. V.

Dem Verein fehlen 84 000 Mark für Arbeits-, Ausbildungs- und Ausstiegsprojekte für Straßenkinder. Für 10 Mark monatlich können Hamburger jetzt Paten werden und die Angebote absichern. Das Angebot "Lern-Lust" orientiert sich an den Interessen der Kinder, denen es oft nicht mehr möglich ist, eine Schule zu besuchen. Bei "Cash-Work" verdienen die Kinder mit kleineren Arbeiten eigenes Geld. Die Angebote stärken Selbstbewusstsein und Chancen der Kinder. Basis e. V. betreibt eine Anlaufstelle für Straßenkinder, einen Treffpunkt für Strichjungen und eine Übernachtungsstätte. Pro Jahr kommen 700 Kinder. Zum Auftakt der Kampagne spielt die Jugendband "Hot Schrott" am Sonnabend, 20 Uhr in der Johannis-Kirche am Turmweg. Kontakt: Tel. 249694 oder unter www.strassenkids.de und www.basis-projekt.de hsm.

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Szene-Hamburg, Nr. 2, Februar 2001:
GELD UND LIEBE

Patenschaften für Straßenkinder gesucht

Eine gute Nachricht: Sie müssen nicht warten, bis in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis endlich mal wieder ein Balg geboren wird, um Pate zu werden. Die gemeinnützige Einrichtung Basis e. V. startet jetzt eine Plakat- und Ausstellungskampagne, mit der um "Paten für Straßenkids" geworben wird. Seit zehn Jahren kümmert sich Basis e. V. um die Kinder und Jugendlichen, für die der Hauptbahnhof nicht ein Ort des Aufbruchs ist, sondern die Endstation bedeuten kann. Für etwa 700 "Straßenkids" liegt hier der Lebensmittelpunkt: Herausgelöst aus dem stabilisierenden Netz von Familie und Schule, dreht sich ihr Alltag zu einem großen Teil um Drogen und Prostitution.

Basis e. V. ist für sie tägliche Anlaufstelle bei kleinen und großen Problemen. Für die Patenschaftskampagne haben Straßenkids mit Einwegkameras unter Anleitung des Fotografen Edgar Lissel Motive aus ihrem Leben aufgenommen. Diese sind Grundlage für die Plakate. Sie zwingen mit ihrer unmittelbaren und eindrücklichen Prägnanz zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema - und vielleicht auch zum Griff in den Geldbeutel. Ziel ist es, 700 symbolische Patenschaften - 10 Mark pro Monat für ein Jahr - zu erreichen, mit denen ergänzende Maßnahmen finanziert werden können. Das Projekt "Aus-Zeit" bietet den Straßenkindern die Möglichkeit, sich in einem angemieteten Ferienhaus in der Lüneburger Heide in Kleingruppen oder auch allein mit Betreuungspersonen für eine kurze Zeit aus der stressigen Mühle des Bahnhofs zu lösen. Unter den Mottos "Lern-Lust" und "CashWorks" wird darüber hinaus versucht, die Jugendlichen behutsam an ein geregeltes Lernen und Arbeiten heranzuführen.

Hamse mal'nen Zehner? Na hoffentlich doch. hk

Basis e. V.: Knorrestraße 5 (St. Georg), Telefon 24 96 94, Ansprechpartner: Thomas Nebel und Annelene Spieker; Plakatausstellung 26.-30. Januar St- Johanniskirche Altona, 2.-7. Februar Apostelkirche Eimsbüttel, 13.-22. Februar St. Petri; weitere Informationen unter www.basis-projekt.de, www.strassenkids.de

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FEATURE - Patenschaften sollen Hamburger Straßenkindern helfen

- von Mechthild Klein -

Hamburg (Reuters) - In den armen Ländern Osteuropas und der Dritten Welt gehören sie fast schon zum Straßenbild - obdachlose Kinder. Inzwischen nimmt ihre Zahl aber auch im reichen Deutschland zu. Trotz eines vergleichsweise höheren Wohlstands leben nach Expertenschätzungen in Deutschland bis zu 7000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und siebzehn Jahren auf der Straße. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil sich die Straßenkinder den Behörden meist entziehen. Oft sind sie mehrfach aus Heimen weggelaufen, übernachten auf Bahnhöfen, in abbruchreifen Häusern oder Obdachlosenheimen. In Hamburg sucht ein Jugendhilfeverein jetzt Paten, um Straßenkindern zu helfen.

Mit symbolischen Patenschaften und der Zahlung von monatlich zehn Mark sollen Spender Beschäftigungs- und Lernprojekte finanzieren helfen und den Straßenkindern damit langfristig die Rückkehr in ein geregeltes Leben ermöglichen. "Das wollen wir erreichen, indem wir ihnen wieder Spaß am Leben und Lernen vermitteln", beschreibt Annelene Spieker vom Jugendhilfeverein "Basis-Projekt" das Angebot. Unter der Überschrift "Lern-Lust" versuchen Lehramtsstudenten der Hamburger Universität, den Jugendlichen Lesen, Rechnen, Kochen und Nähen beizubringen.

In "Cash-Works" sollen Straßenkinder beim Renovieren von Wohnungen des Jugendhilfevereins helfen und dafür etwas Geld verdienen. "Kids" ist eine Anlaufstelle am Hauptbahnhof, in der die Jugendlichen Essen erhalten und Kontakte knüpfen können. Der Verein hofft, kurzfristig 700 Paten finden zu können, um damit die Arbeit mit Straßenkindern ausbauen zu können.

Dass Straßenkinder immer jünger werden, hat der Geschäftsführer des Instituts für soziale Arbeit in Münster, Peter Hansbauer, beobachtet. Während in den 80er-Jahren die jüngsten Aussteiger noch 15, 16 Jahre alt gewesen seien, gebe es inzwischen zwölf bis 14 Jahre alte Obdachlose. In jeder deutschen Großstadt mit mehr 200.000 Einwohnern gebe es mittlerweile eine Szene mit Straßenkindern. Fast alle Städte hätten mit sozialen Angeboten auf den Notstand reagiert. Dabei konzentriere sich das Problem vor allem auf größere Kommunen. In Kleinstädten hätten Jugendliche meist noch Kontakt zu Freunden oder Eltern, die ein Abgleiten verhinderten.

"Je länger jemand in der Szene ist, desto schwieriger wird es für ihn, auszusteigen", sagt Soziologe Hansbauer weiter. Den Schulabbruch schilderten Straßenkinder häufig als dramatischen Einschnitt in ihr Leben. "Dann sind sie erst richtig in die Szene abgerutscht, auch weil es keinen geregelten Tagesablauf mehr gab", hat Hansbauer beobachtet.

Als wichtigste Ursache für die Entscheidung von Kindern, "auf Trebe" zu gehen sieht Robert Hall von der Berliner Kontakt- und Beratungsstelle "eine dramatische Zunahme der Gleichgültigkeit von Eltern ihren Kindern gegenüber". Dabei wünschten sich die Kinder meist, dass sie sich mit ihren Eltern verstünden. In vielen Fällen sei diese Hoffnung aber zerstört worden, sagt Hall, dessen Verein jährlich mehr als 1000 minderjährige Straßenkinder betreut.

Auf der Straße seien die Jugendlichen in erster Linie auf sich allein gestellt. "Die haben plötzlich keine Kindheit mehr - schnorren sich hier und da was zusammen, überlegen jeden Tag, wo Abends ihr Schlafplatz sein könnte - da bleibt keine Zeit mehr, über familiäre Probleme nachzudenken", sagt Hall. Als Gründe für den Ausbruch aus der Familie stellt der Sozialarbeiter vor allem mangelnde Zuwendung, Alkoholismus, Trennungsprobleme der Eltern oder sexuellen Missbrauch fest.

Von Abenteuerromantik, die Straßenkindern manchmal als Grund für ihr Abgleiten nachgesagt werde, hält Hall indes wenig. Auf der Straße gebe es keinen echten Zusammenhalt. Die Verelendung ziehe häufig Hautkrankheiten und Infektionen nach sich. "Und wer auf der Straße lebt, kommt an Drogen gar nicht vorbei - das gilt für 98 Prozent der Berliner Straßenkids", sagt Hall. "Die Regel ist, alles nehmen, was ballert - wenn sie kein Heroin haben, trinken sie eben Alkohol oder Kiffen." Um die weitere Verelendung zu verhindern, wären nach Ansicht Halls eigentlich spezielle Druckräume nötig, in denen die Straßenkinder Drogen unter Aufsicht nehmen könnten. Aber dies sei politisch vermutlich nicht durchsetzbar, sagt Hall.

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PAGE 02/2001
Ohne Pathos_ StraßenKids-Patenschaften.

Schmutzige Kinder mit hungrigen Augen, ausgemergelte Mütter und bettelnde Hände - um Spenderherzen zu erweichen, entscheiden sich die meisten Hilfsorganisationen für die Inszenierung des Elends anhand konkreter Schicksale. Einen ganz anderen Weg geht dagegen die Hamburger Initiative Basis-Projekt e. V., die ab Ende Januar mit einer Plakatkampagne und einer Ausstellung für StraßenKids-Patenschaften wirbt. Die Agentur Agapi, die schon seit längerem für die Organisation arbeitet, entwickelte zusammen mit dem Fotografen und Künstler Edgar Lissel ein Bildkonzept, das auf Authentizität und Interaktion mit den Straßenkindern setzt.

Sie gaben den Jugendlichen aus dem Umfeld der Organisation die Möglichkeit, mit Einwegkameras ihren Lebensraum zu dokumentieren. "Ziel war, Bilder zu entwickeln, die anders funktionieren als etwas von außen Aufgestülptes". Die Darstellung von Einzelschicksalen anhand von Personen wollten sie aus verschiedenen Gründen vermeiden. Zum einen übernehmen die Spender bei diesem Projekt nicht die Patenschaft für einzelne Kids, sondern zahlen in einen Projekt-Pool ein. Zum anderen, so meint Edgar Lissel, kann man über die Orte auf indirekte Weise auch sehr viel über den Alltag der Menschen transportieren. Er begleitete die Jugendlichen auf ihren Fotostreifzügen und hörte sich dabei viele Geschichten aus ihrem Leben an.

Diese Bilder begutachtete dann eine Jury, die neben der Schirmherrin Dr. Dorothee Stapelfeld, Präsidentin der Hamburger Bürgerschaft, Leute von Basis-Projekt und Fachleute aus dem visuellen Bereich umfasste - auch PAGE war dabei. Nach Auswahl der Motive für die Kampagne führte Edgar Lissel ausführliche Interviews mit den Autoren der Bilder. Daraus entstanden die Texte für die von Agapi gestalteten Plakate und für die geplante Ausstellung, in der auch viele andere Bilder aus dem Projekt zu sehen sein werden.

"Die Plakate sollen sich im öffentlichen Raum durch ihre authentische, dokumentarische Bildsprache von der Ästhetik der Warenwelt abheben", so Lissel. Hat die Werbung diese Bildsprache, wenn auch als Simulation, nicht längst für sich entdeckt? "Die Texte unterstreichen hier die tatsächliche Authentizität der Bilder - zudem wäre es eine Illusion, zu meinen, man könne etwas Ungestaltetes machen. Und schließlich sollen die Plakate ja auch was erreichen." Jn

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OXMOX, 11/2000 | DIE B.A.S.I.S. KIDS VOM HAUPTBAHNHOF
von Theodor Petrache

700 junge Menschen ohne Zuhause, ohne normalen Tagesablauf, ohne geregeltem Miteinander, mit Drogen und Prostitution im Alltag, besuchen jährlich das KIDS, die größte Anlaufstelle des BASIS-Projekt e. V. für die Straßenkinder zwischen Hachmann-und Hansaplatz. 13 hochmotivierte und bestens qualifizierte MitarbeiterInnen gehen respektvoll und wertschätzend auf diese Zwölf- bis 18-Jährigen zu, indem sie deren aktuelle Situation zwar akzeptieren, aber auch aus diesem Teufelskreis heraushelfen. Sie schaffen eine Atmosphäre, die das Misstrauen abbaut, in der sich die StraßenKids öffnen und ihre Wiedereinstiegsbereitschaft aus dem Dilemma in die "Normalität" wächst. Das Projekt wird über die BSJB finanziert und hat den Auftrag, den abgedrifteten Kindern rund um den Hauptbahnhof Angebote vorzuhalten und Alternativen zum täglichen Überlebenskampf anzubieten. Der Offene Bereich und die Straßensozialarbeit sind die wesentlichen Säulen der Streeties-Dienste. Sechsmal wöchentlich öffnen sich die Räume des KIDS im Biberhaus der jugendlichen Klientel. Dort werden Konflikte mit pädagogischen Mitteln beigelegt, es kann eine Ärztin aufgesucht werden, es werden Gespräche geführt, warme Mahlzeiten ausgegeben und ein Bett für die Nacht vermittelt. Bei der Straßensozialarbeit gehen die Streeties, meist als Pärchen, auf die jungen Opfer unserer Gesellschaft zu, um auf die Angebote hinzuweisen, vom Straßenstrich oder Drogenkonsum runterzukommen. Aufällig ist, dass die Anzahl der "klassischen" Heroinkonsumenten zurückgegangen ist, sich in den vergangenen zwei Jahren der Anteil Kokain- und Crackkonsumenten aber verdoppelt hat, ebenso bei Ecstasy. Während die meisten Hanseaten den Hauptbahnhof allenfalls als Zwischenstation betrachten, sind die Wandelhallen, der Vorplatz und das angrenzende Rotlichtviertel St. Georgs für Hamburgs StraßenKids zu einer Heimat geworden. Sie leben "von der Hand in den Mund", viele von ihnen haben Missbraucherlebnisse und Gewalterfahrungen. Die Anlaufstelle KIDS bedeutet für diese Jugendlichen eine Aus-Zeit, spielend oder redend blenden sie sich vom harten Überlebenskampf der Straße aus, beruhigen sich und intensivieren Kontakte, die ihnen kurz- oder langfristig weiterhelfen. Dazu zählen auch die drei neuen Projekte "Lern-Lust", "Cash-Works" und "Ferienhaus", wofür der Förderverein "Junge Menschen auf der Straße" noch symbolische Patenschaften sucht, die ihn jeweils mit monatlich 10 Mark unterstützen. Weil die regulären Schulangebote für StraßenKids nicht erreichbar scheinen, bietet das Lernprojekt eine szenenahe Möglichkeit, die den jeweiligen Interessen und Fähigkeiten entspricht und an einen Schulabschluss heranführt. Beim Arbeitsprojekt Cash bekommen die Jugendlichen die Chance, bei Umzügen, Einkäufen, Aufräumtätigkeiten oder Malerarbeiten zu helfen, stündlich zehn Mark auf die Hand zu kassieren und sich mit Stolz ein Sprungbrett zur positiven Selbsterfahrung zu verschaffen. Das Ferienhaus-Projekt in der Südheide läuft zwar schon seit vier Jahren immer erfolgreicher, wobei sich die Kids in Ruhe und Natur oder in einem der angrenzenden Ferienparks erholen, aber die Mittel dafür kaum noch aufzubringen sind.

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HINZ&KUNZT, Nr. 87, Mai 2000
Gestohlene Stunden von Svenja Uhrig

Vorbei die Zeiten der heimlichen Freude, an die wir uns alle erinnern, wenn es uns gelungen war, der Schule die eine oder andere Stunde zu stehlen, um sich nach Lust und Laune herumzutreiben. Heute durchforsten Polizeistreifen die Spielwarenabteilungen von Kaufhäusern.

In Hannover beispielsweise wird gegen Schulschwänzer mit der "Schwänzerpolizei" vorgegangen. Junge Menschen werden kontrolliert, aufgegriffen, eingefangen und in die Schule transportiert. Eltern werden informiert, wenn es notwendig erscheint auch Behörden. Da möchte man doch heute keine Schülerin mehr sein, wenn einer sogar diese kleine Freude vermiest wird! Wer heute erwischt wird, der wird nicht nur zum Täter, sondern auch noch zu einem Fall, dem die überaus peinliche, unter dem Deckmantel der Fürsorge verhüllte Verfolgung durch die Polizei droht. Die Umstände des Schwänzens spielen bei dieser verkürzten Sicht auf das Problem keine Rolle: Egal, ob ich zum ersten Mal die "gestohlene Freizeit" erlebe oder ob ich das Thema Schule schon lange ad acta gelegt habe, es läuft das Standardprogramm. Mit solchen Methoden ist dem Schwänzen nicht beizukommen. Sie sind bestenfalls medienwirksam und suggerieren da schnelle Lösungen, wo es entweder kein Problem gibt oder wo sich am Problem nichts ändert. Die Auseinandersetzung mit Schülern, die schwänzen, sollte man den verantwortlichen und kompetenten Lehrern sowie den Eltern überlassen. Die Jugendlichen, die das KIDS, die Anlaufstelle für Straßenkinder am Hauptbahnhof, besuchen, haben größtenteils nur noch sporadischen oder gar keinen Kontakt mehr zur Schule. Von den meisten wird ein Schulabschluss aber als wichtige Voraussetzung für ein "normales" Leben angesehen. Deshalb bieten wir in Kooperation mit angehenden Lehrern der Universität Hamburg unseren Jugendlichen die Möglichkeit, Schule anders zu erleben. Zwei Mal wöchentlich gestalten die Studierenden Unterricht vor Ort, der sich an den Interessen der Jugendlichen orientiert. Die Studierenden holen die Jugendlichen sogar im KIDS ab. Diese Art von "aufsuchender Schule" ist für die Jugendlichen eine neue Erfahrung. Sie sind erwünscht, es wird sogar um sie geworben. Schule geht auf sie zu und vermittelt ihnen, dass es nie zu spät ist, mit dem Lernen anzufangen. Die Jugendlichen haben Erfolgserlebnisse, die sie nicht mehr für möglich hielten. Oftmals liegen ähnliche Erfahrungen Monate oder sogar Jahre zurück. Kinder, die der Schule fern bleiben, brauchen Hilfe - und keine Strafen.

SVENJA UHRIG, 33, arbeitet als Pädagogin seit 1995 im KIDS.

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Welt am Sonntag, Nr. 45, 5.11.2000
Die verlorenen Kinder vom Hauptbahnhof
von Saskia Tants

Sie haben kein Zuhause - und trotz ihrer Jugend auch schon keine Hoffnung mehr: 250 Mädchen und Jungen, die vom Betteln und der Prostitution leben Wie mag es sich anfühlen, Luft zu sein? Wenn Menschen durch einen hindurchsehen. Wenn andere einen eklig finden und Mütter hastig ihre Kinder an die Hand nehmen, wegschauen und einen Bogen machen. Der blonde Junge, der da auf dem Geländer hockt, weiß genau, wie das ist. Sein Zuhause ist seit gut fünf Jahren der Bahnhofsvorplatz. Seit seinem zwölften Geburtstag lebt er hier.

Mark hat an diesem Tag noch nichts gegessen. Wie die meisten Kinder und Jugendlichen hier. Sie haben Hunger. Jeden Tag. Aber das merken sie manchmal nicht einmal mehr. Sie betteln, stehlen oder warten auf Freier, um ihre Körper oder das, was davon übrig ist, zu verkaufen. 50 Mark, manchmal 80 - genug für ein paar Päckchen Heroin. Genug, um zu vergessen. Neben Mark lehnt seine Freundin Anna. Sie ist 16 Jahre alt, sieht aus wie höchstens 13. Nicht in einem Land der Dritten Welt spielt diese Szene. Nicht in Bogota, nicht in Bangkok. Und auch nicht im Film. Wirklichkeit im Jahr 2000, Wirklichkeit am Hamburger Hauptbahnhof. Steakhaus am Bahnhof. Mark bestellt ein Spezi. Essen will er nicht. "Manchmal halte ich es fast eine Woche ohne aus", sagt er und ist darauf stolz. Einmeterneunzig ist er groß, er wiegt gerade mal 60 Kilo. Anna fragt, ob sie eine Baked Potato bestellen darf, "die kostet vier Mark fünfzig" fügt sie unsicher hinzu. Dann lässt sie sich doch zum Putenschnitzel überreden. Mark pult eine Marlboro aus der Schachtel, in der Cellophanhülle klemmt ein Zwanzigmarkschein. Alles, was er hat. Seine Fingernägel sind schmutzig, dabei ist er ein gut aussehender Junge von 17 Jahren - mit dem Blick eines Erwachsenen. Mit elf war Mark von zu Hause ausgezogen, weil er es nicht mehr ausgehalten hatte. "Mein Stiefvater", sagt er, der habe ihn ständig geschlagen. "Er hat mich in eine Wolldecke gewickelt und zugetreten", erzählt der Junge. Das Schlimmste sei aber gar nicht "die Dresche" gewesen, am schlimmsten war, dass "er immer auf lieb gemacht hat, wenn meine Mutter da war". Mark drückt die Zigarette in den Aschenbecher. "Meine Mutter hat mir nicht geglaubt." Deshalb ging er zum Jugendamt. Ganz allein bat der Elfjährige dort um Hilfe.

Feuerbergstraße, Notunterkunft für gestrandete, geprügelte und missbrauchte Kinder. Dort lernte Mark ein Mädchen kennen. "Kinderliebe", sagt er. Das Mädchen nahm Drogen, ging anschaffen und hing mit älteren Jugendlichen herum. Am Hauptbahnhof. "Ich wollte dazu gehören", sagt er. Damals hatte er noch nicht gekifft, weder Ecstasy, Schlaftabletten, Tranquilizer noch Heroin gekannt. Ein "Freund" war es, ein 19-Jähriger, der ihm den ersten Schuss setzte. "Erst hatte ich Angst, dann war es irgendwie geil." Alle Probleme schienen wie weggeblasen. Die Erlösung, dachte Mark. Koks, Heroin, Tag für Tag. Aber der Kick, den er anfangs noch so genossen hatte, hielt nicht lange an. Ein paar Wochen vielleicht. "Dann brauchte ich den Stoff nur noch, um zu funktionieren."

Mark war gerade 13. Er knackte Autos. Wie viele, das weiß er schon gar nicht mehr. Mark war eines der berüchtigten Crash-Kids, zusammen mit Dennis machte er Karriere, lieferte sich lebensgefährliche Verfolgungsjagden mit der Polizei. Das fand er damals cool. Heute sagt er: "Ich hatte nichts als Scheiße im Kopf" Bis er 14 war, konnte dem Jungen kein Gericht etwas anhaben. Dann kam die Jugendhaft, Hahnöfersand. Als Mark raus war, ging er zurück zum Hauptbahnhof: sein Zuhause. Das erste Mal in den Arm genommen hatte ihn Anna. Mark hatte zwar Sex, der war okay für ihn, aber kuscheln und in den Arm nehmen, das war ihm fremd. "Zuerst habe ich sie weggestoßen." Dann weinte er. Rotz und Wasser. "Da kam alles raus." Früher, da kannte Mark keine Tränen. Nicht, wenn er traurig und verletzt war, und erst recht nicht, wenn er geschlagen wurde. Anna ist mit neun von zu Hause ausgezogen. In eine Pflegefamilie, weil der Vater die Mutter prügelte und die Mutter ihren Frust im Alkohol ertränkte.

Anna stochert auf ihrem Teller herum, schiebt sich ein Salatblatt in den Mund. "Das Schnitzel war lecker", sagt sie. "So gut habe ich schon lange nicht gegessen." Mark streicht ihr über die Haare. Verletzlich sehen die beiden aus. "Sie ist für mich Vater, Mutter und Freundin in einer Person", sagt der Junge. Wovon die beiden träumen? Wenn sie volljährig sind, dann wollen sie heiraten, vielleicht eine Familie gründen. "Aber wenn ich es mir richtig überlege, dann will ich doch keine Kinder, nicht in dieser Welt", sagt Mark. Dann ziehen die beiden los. Mark will wieder zum Hauptbahnhof, "einen Freier machen" auf dem Jungenstrich. Auch der ist auf dem Bahnhofsvorplatz. Dort sind die anderen. Paule, der sich gerade ein Päckchen Heroin gekauft hat und damit eilig auf der Rolltreppe zum U-Bahntunnel verschwindet. Kathi, die so zu von all den Drogen ist, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten kann. David, der noch immer keinen Freier gemacht hat und deshalb versucht, die anderen anzupumpen. Kinder, die nie eine Kindheit hatten. Die nicht wissen, wie das ist, wenn man zusammen mit der Familie Abendbrot isst oder in den Urlaub fährt.

Ein neuer Morgen. Mark und Anna waren nur für ein paar Stunden in der betreuten Jugendwohnung, in die sie ohnehin nur zum Schlafen kommen. Anna sieht schlecht aus. Sie zittert, stand eine Stunde am Steindamm, aber keiner wollte anhalten. "Kein guter Tag heute", sagt sie. Aber dann ist es doch wie immer: "Wir haben kein Geld, und deswegen kommen wir zum Bahnhof. Wenn wir dann etwas Kohle zusammen haben, kaufen wir Drogen und hängen hier rum", sagt Anna. Ein Teufelskreis, aus dem sie selbst keine Chance zum Ausbrechen sieht. In der Schule war sie schon lange nicht mehr. Genau wie Mark. Er war damals 13. "Einen Schulabschluss würde ich gerne machen", sagt er. An Intelligenz mangelt es ihm nicht. Keine Frage. "Aber wenn ich nur daran denke, dass ich dann den anderen in der Klasse sagen muss, warum ich so lange nicht in der Schule war, dann bekomme ich wirklich Paranoia, peinlich ist mir das." Samsonite-Koffer rollen an den Kindern vorbei. Ein Mann und eine Frau bleiben vor Anna stehen. Ausweiskontrolle. Die beiden sind vom Jugendschutz. "Immer dasselbe", sagt Anna dann. "Die schreiben sich meine Adresse auf und rufen meine Betreuerin an, das war es dann."

Ein Mann kommt vorbei, ungefähr 35 Jahre alt. Er brüllt: "Preiset den Herrn." Und: "Gott kann euch helfen." Die Kinder auf dem Bahnhofsvorplatz strecken ihm ihre Bierdosen entgegen. "Der ist schon in Ordnung", sagt Mark. "Das ist Frank, ein Ex-Junkie, aber Gott hat ihm da rausgeholfen." Ob auch er an Gott glaubt? Mark guckt ganz ernst. Nein, sagt er dann. "Aber an das Jenseits glaube ich, daran, dass ich wiedergeboren werde. In hundert Jahren, vielleicht habe ich dann ja mehr Glück."